Hl. Kreuz

Karfreitagsliturgie 2017

14. April 2017

Karfreitag 2017

Stiller Einzug

Gedanken zur Eröffnung

Sie rieben sich an ihm.

Er schmerzte, war wie Pfeffer und Salz in ihre Wunden.

Er handelte gegen die Religion und das Gesetz.

Ärgerlich seine Bevorzugung der Unreinen,

der Dirnen und Zöllner.

Sie rieben sich an ihm.

Drohten mit der Steinigung.

Versuchten ihn den Berghang hinunter zu stürzen.

Wollten ihn beseitigen.

Forderten: Ans Kreuz mit ihm.

Sie rieben sich an ihm.

Schlugen und spukten ihm ins Gesicht.

Verspotteten ihn.

Trieben ihn durch die Stadt.

Hängten ihn ans Kreuz.

Lied:               GL 460,1+2    Wer leben will wie Gott auf dieser Erde

Wir hören jetzt die Leidensgeschichte Jesu in sieben Bildern in der Überlieferung der vier Evangelisten mit modernen Deutungen und Fürbitten:

I. Von allen verlassen  - Markus überliefert(14,35-41)

Jesus ging ein Stück weiter in den Garten hinein, warf sich auf die Knie und betete, dass die Stunde, wenn möglich, an ihm vorübergehe. Er sprach: Lieber Vater im Himmel, wenn es möglich ist erspare mir diese schwere Stunde und bewahre mich vor diesem Leiden. Aber nicht, was ich will, soll geschehen, sondern was deiner Liebe zu den Menschen am besten entspricht. Dann kam er zu den drei Jüngern zurück und sah, dass sie eingeschlafen waren. Traurig weckte er Petrus: Simon, du schläfst? Kannst du nicht einmal eine einzige Stunde mit mir wachen? Bleibt wach und betet, damit ihr in der kommenden Prüfung nicht versagt. Ich weiß, ihr wollt nur das Beste, doch der Mensch für sich allein ist zu schwach.

Gedanken

Tag für Tag

geben wir etwas auf,

verlieren wir etwas,

lassen wir los.

Tag für Tag

stirbt ein Teil von uns,

Stück für Stück

Tag für Tag

verzehrt sich unser Leben,

kommt der Tod uns näher.

Doch dann sind wir dem Leben

am allernächsten,

weil das Leben dann erst beginnt.

Fürbitten

Ich will beten für Menschen, die einsam geworden sind, weil sie niemand mehr haben. Ich bitte für Menschen, die sich zurückziehen und alle Kontakte abbrechen.
Herr, erbarme dich – A: Herr, erbarme dich!

Für Menschen will ich beten, die unter Schmerzen Abschied nehmen müssen ... von einer Arbeitsstelle … von einer Gewohnheit … von Ideen und Zielen … von Freunden und Lebensgefährten Herr, erbarme dich -A: Herr, erbarme dich! 

II. Die Freiheit verlieren - Lukas überliefert    (22,52-54)

Jesus wandte sich an die Hohenpriester, die Offiziere der Tempelwache und die führenden Männer des Volkes, die alle mitgekommen waren: Bin ich denn ein Verbrecher, dass ihr euch mit Schwertern und Knüppeln bewaffnet habt, um mich festzunehmen? Jeden Tag war ich bei euch im Tempel. Warum habt ihr mich nicht dort festgenommen? Aber jetzt ist eure Stunde da. Jetzt hat die Finsternis Macht über mich. – Die Soldaten verhafteten Jesus und führten ihm zum Palast des Hohenpriesters. Petrus folgte in sicherem Abstand.

CHOR:           Bewahre uns Gott, behüte uns Gott

Fürbitten

Ich will beten für Menschen, die Unrecht nicht sehen und nicht ertragen können. Aber auch für Menschen, die unrecht handeln und andere für ihre Zwecke ausnützen. Für Menschen will ich beten, die nicht in Freiheit leben und ihre Überzeugungen nicht offen äußern können.
Herr, erbarme dich – A: Herr, erbarme dich!

Für Menschen will ich beten, für Recht und Gerechtigkeit einstehen, die nicht ängstlich schweigen, die mittragen und mitleiden, was nicht zu ändern ist.
Herr, erbarme dich – A: Herr, erbarme dich!

III. Verraten sein  - Matthäus überliefert (26,69-75)

Simon Petrus war immer noch im Hof. Da trat eine Dienerin auf ihn zu und sagte: Du gehörst doch auch zu Jesus, diesem Galiläer! Aber Petrus bestritt das laut vor allen anderen: Ich weiß nicht, was du meinst.

Dann ging er in den Vorhof hinaus, da bemerkte ihn eine andere Dienerin und sagte zu den Umstehenden: Der gehört auch zu diesem Jesus aus Nazaret. Doch Petrus behauptete wieder und schwor sogar: Ich kenne diesen Menschen überhaupt nicht.

Kurze Zeit später kamen einige von den Leuten, die im Hof herumstanden, und deuteten auf Petrus: Du bist auch einer von seinen Freunden. Dein Dialekt verrät dich. Da rief Petrus: Ich schwöre euch, ich kenne diesen Menschen nicht. Gott soll mich verfluchen, wenn ich lüge. In diesem Augenblick krähte der Hahn.

Gedanken

Das alles erleiden wir auch:

Träume zerrinnen

Freundschaft zerbricht

Hoffnung endet in Enttäuschung.

Nichts mehr hören und sehen wollen.

Sich verstecken und verkriechen.

Alles verstecken und vertuschen.

Nur nicht nachdenken.

Oder ganz anders:

Aufstehen, das Kreuz in die Hand nehmen.

Weitergehen durch das Dunkel.

Das Licht erwarten.

 

Fürbitten

Ich will beten für Menschen, die sich wie verraten und verkauft vorkommen müssen. Für Menschen, denen nichts gelingt, die immer auf der Schattenseite stehen.
Herr, erbarme dich – A: Herr, erbarme dich!

Für Menschen will ich beten, die andere verraten oder denunzieren, weil sie meinen, der Zweck heilige die Mittel. Für Menschen will ich beten, die aus Gewinnsucht verraten oder geopfert werden, und für Menschen, die enttäuscht oder bloßgestellt werden.
Herr, erbarme dich – A: Herr, erbarme dich!

LIED:  GL 142,2 Herr, zeige uns die Wege dein

IV. Geschlagen und verspottet - Johannes überliefert (19,1-6)

Pilatus befahl Jesus auszupeitschen. Danach flochten die Soldaten eine Krone aus Dornenzweigen und setzten sie ihm auf den Kopf. Dann hängten sie ihm einen purpurroten Mantel um, stellten sich vor ihn hin und spotteten: Es lebe der König der Juden. Dabei schlugen sie ihm ins Gesicht.

 

Pilatus ging erneut zu den Juden hinaus und sagte: Ich lasse ihn euch noch einmal vorführen. Ihr sollt wissen, dass ich keine Schuld an ihm finden kann. Dann kam Jesus heraus. Er trug die Dornenkrone und den purpurroten Mantel.

Gedanken

Jesus könnte so gebetet haben:

Die Schreie meiner Seele,

hat nie ein Mensch gehört.

Sie haben mich verurteilt.

 

Ihre Kälte lässt mich frieren.

Alles schweigt, alle schweigen.

Das Urteil ist längst gesprochen.

Die Schlinge zieht sich zu,

fester und fester,

lässt mich weder schreien noch weinen.

 

Fürbitten

Ich will beten für Menschen, die auf mancherlei Weise zu Opfern gemacht werden oder sich zu Opfern machen lassen.
Herr, erbarme dich – A: Herr, erbarme dich!

Für Kinder und Jugendliche will ich beten, die durch Gewalt oder sexuellen Missbrauch traumatisiert sind und ein Leben lang darunter zu leiden haben. Und für alle, die zu Tätern und Verantwortlichen des Missbrauchs geworden sind, dass sie ohne Wenn und Aber zur Wiedergutmachung bereit sind.
Herr, erbarme dich – A: Herr, erbarme dich!

 

Lied: GL 289, 2+3 Du edles Angesichte

V. Das Urteil ist gefallen - Lukas überliefert (23,23-26)

Die aufgehetzte Menge brüllte immer lauter: Kreuzige ihn. Sie schrien so lange, bis Pilatus nachgab und ihre Forderung erfüllte.

Auf dem Weg zur Hinrichtungsstätte begegnete ihnen Simon. Er kam gerade vom Feld. Er stammte aus Zyrene in Nordafrika. Ihn zwangen die Soldaten mitzugehen und für Jesus die Balken zu tragen. Unzählige Neugierige folgten Jesus auf dem Weg zur Hinrichtung.

Gedanken

Jesus mag so empfunden haben:

Endlich.

Endlich einer, der nicht nur zuschaut.

Endlich einer, der hilft.

Endlich einer, der nicht blind durch die Gegend läuft.

Endlich einer, der nicht taub ist und stumm bleibt.

Endlich einer, der mit trägt, statt nur zu gaffen

Endlich einer.

 

CHOR: Selig sind, die aus Erbarmen sich annehmen fremder Not     (Homilius)

Fürbitten

Ich will beten für Menschen, die sich mit ihrem Schicksal allein gelassen fühlen. Für Partner, die einander im Stich lassen, Freunde, die sich gegenseitig enttäuschen, Kinder, die verlassen werden
Herr, erbarme dich – A: Herr, erbarme dich!

Für Menschen will ich beten, die sich ihrer Angehörigen schämen, die nichts mehr miteinander zu tun haben wollen oder die gar sagen: Der ist für mich gestorben.
Herr, erbarme dich – A: Herr, erbarme dich!

VI. Sterben und Tod - Johannes überliefert (19,25 -30)

Unter dem Kreuz, auf dem Jesus hing, standen seine Mutter und ihre Schwester. Außerdem Maria, die Frau des Klopas, und Maria aus Magdala.

Jesus wusste dass jetzt sein Auftrag erfüllt war. Da sagte er: Ich habe Durst. In der Nähe stand ein Krug mit Essigwasser. Ein Soldat tauchte schnell einen Schwamm hinein und hielt ihn Jesus an den Mund. Als Jesus ein wenig davon genommen hatte, rief er: Es ist vollbracht. Dann ließ er seinen Kopf sinken und starb.

Gedanken

Ich lege Jesus diese Worte in den Mund:

Legt mich, wohin ihr wollt.

Legt mich in ein Grab und vertraut mich der Mutter Erde an,

die alles zurücknimmt, was sie gegeben hat.

 

Dahin sei in Erde alles,

was mich belastet und niedergedrückt hat,

dahin sei alles, wo ich andere unterdrückt und beladen habe.

 

Aber mein Lachen und mein Weinen soll das Grab überstehen:

Mein Humor und meine Traurigkeit,

meine Liebe und meine Leidenschaft, auch meine Sehnsucht.

 

Bestand haben sollen

Meine guten Worte, mein Einsatz für die Menschen,

meine Treue zu anderen wie zu mir selbst.

 

Spürbar sollen euch künftig meine Hände sein,

wo sie gehalten und getröstet haben.

Meine Ohren, wo sie offen geblieben waren für die Fragen und das Suchen.

Meine Füße, die auf andere zugegangen sind,

mein Rücken, an dem sich Schwache stützen konnten,

mein Herz, das in allen weiterlebt, die mich lieb hatten.

 

Gesegnet sollen alle sein, die um mich trauern.

CHOR: Im Dunkel unsrer Nacht entzünde das Feuer (Taizé)

Fürbitten

Ich will beten für Menschen, die am Rufmord gestorben sind, wegen eines Ehrenmordes ums Leben gekommen sind, an denen die Todesstrafe vollstreckt wurde. Für die Terroristen will ich beten, die sinnlos Leben vernichten und meinen, ihre Ziele mit Gewalt erreichen zu können.
Herr, erbarme dich – A: Herr, erbarme dich!

 

Für Menschen will ich beten, die ihr Liebstes durch den Tod verloren haben und noch immer voller Trauer sind.

Herr, erbarme dich – A: Herr, erbarme dich!

VII. Begraben werden - Markus überliefert (15,42-47)

Es war bereits Abend. Da kam Josef von Arimathäa, ein vornehmer Ratsherr, der selbst auf das Kommen der neuen Welt Gottes wartete. Weil am nächsten Tag Sabbat war, fasste er sich ein Herz und ging zu Pilatus, um den Leichnam Jesu zu erbitten. Pilatus wollte nicht glauben, dass Jesus schon gestorben war. Darum rief er den Hauptmann und erkundigte sich. Als der Hauptmann den Tod Jesu bestätigte, überließ Pilatus dem Ratsherrn den Leichnam.

Josef kaufte ein feines Leinentuch, nahm Jesus vom Kreuz, wickelte ihn in das Tuch und legte ihn in ein Grab, das in einen Felsen gehauen war. Dann wälzte er einen Stein vor den Eingang des Grabes.

Kurze Stille

LIED:              GL 210,1+2+3            Das Weizenkorn muss sterben

Fürbitten

Ich will beten für Menschen, die in unserer Kirche abgeschrieben sind, „wie tot und begraben“, für Geschiedene, die wieder geheiratet, für Priester und Ordensleute, die ihr Amt oder ihre Berufung aufgegeben haben, für alle, die Tagen aus der Kirche ausgetreten sind.
Herr, erbarme dich – A: Herr, erbarme dich!

Für Menschen will ich beten, die wie vor verschlossenen Türen stehen und sich nicht dazu gehörig fühlen, wie für alle, die sich in Hoffnungslosigkeit vergraben haben; die nicht den Mut oder die Kraft haben, sich anderen zu öffnen.
Herr, erbarme dich – A: Herr, erbarme dich!

Die Verehrung des Kreuzes

Was keiner wagt, das sollt ihr wagen

was keiner sagt, das sagt heraus

was keiner denkt, das wagt zu denken

was keiner anfängt, das führt aus

Wenn keiner ja sagt, sagt doch ja

Wenn keiner nein sagt, sagt doch nein

wenn alle zweifeln, wagt zu glauben

wenn alle mittun, steht allein

 

Wo alle loben, habt Bedenken

wo alle spotten, spottet nicht

wo alle geizen, wagt zu schenken

wo alles dunkel ist, macht Licht.

Das Kreuz des Jesus Christus

durchkreuzt was ist

und macht alles neu

 

Unter dieser Ermutigung wollen wir das Kreuz Jesu verehren

und damit den ehren, der unser Leben geteilt,

unser Sterben bestanden,

unseren Tod geheiligt

und die Auferstehung verheißen hat.

 

GL 308,1 Seht, das Kreuz, ….A:   Kommt, lasset uns anbeten

Während der Verehrung des Kreuzes

GL 294                        O du hochheilig Kreuze

Vater unser

Schlussgedanken. Dank an Jesus

Danke

dass du dein Leben mit uns geteilt hast, bevor du gehst …

dass du an uns deine Weisheit verschenkt hast, die von Gott kommt …

dass du uns an die Kostbarkeit der Tage erinnerst, bevor sie zu Ende gehen …

dass du uns zum großen Mahl eingeladen hast, wenn die Zeit dafür gekommen ist …

dass du uns am dritten Tag die Hoffnung bestätigst, die uns Leben schenkt …

dass du uns Mut machst, frei zu glauben und unseren eigenen Weg zu suchen …

dass du uns unter schönen Bildern das neue Leben gezeigt hast, zu dem du uns vorausgegangen bist.

Danke für alles.

Segensworte

Seid nun gesegnet mit dem Kreuz, das den Tod durchkreuzt, Freiheit und Leben schenkt.

Seid jetzt gesegnet mit dem Kreuz, das den Zweifel durchkreuzt, die Angst überwindet und neue Hoffnung gibt.

Seid gesegnet mit dem Kreuz, das den Schuldschein zerreißt, das Böse vernichtet, das Alte und Vergangene auflöst und Zukunft verheißt.

Seid gesegnet unter dem Zeichen des Kreuzes – im Namen des Vaters …

In Stille endet die Feier