Kirchenchor

Konzert in St. Lambertus, Castrop am 09.07.2010

Paukenmesse (Haydn), Hör mein Bitten und Psalm 95 (Mendelssohn) - Vorverkauf von Eintrittskarten an denen im Bericht genannten Stellen!

„Local Hero“ 2010

 

 

Chorkonzert

9. Juli 2010 19.30 Uhr St. Lambertuskirche Castrop

 

Programm

1. Psalm 95                                                                          F. Mendelssohn

    für Soli, Chor und Orchester

2. Hör mein Bitten                                                               F. Mendelssohn

    für Sopransolo, Chor und Orchester

3. Andante                                                                         J. Haydn

    2. Satz aus der "Sinfonie mit dem Paukenschlag"

4. Missa in tempore belli                                                      J. Haydn

    (Paukenmesse)

    für Soli, Chor und Orchester

 

 

Ausführende:    Gudrun Tollwerth-Chudaska, Sporan

Antje Gnida, Alt

Iwe Thomas, Tenor

Gerrit Miehlke, Bass

Gemischert Chor Dor Dortmund-West

Kirchenchor St. Elisabeth, Obercastrop

Mitglieder der Bochumer Symphoniker

 

Leitung:  Klemens Koerner

Eintritt: 12,00 €    10,00 € KG    6,00 € Schüler und Studenten

Vorverkauf:   Galeriehaus Grosche, Karlstr. 20

Genusswelt Lübke, Am Markt

VHS-Office, Rathaus, Zi. 114

Veranstalter: Kulturgemeinde C.-R. e.V. -KOOP-Partner: Kulturbüro Castrop-Rauxel

Psalm 95

Schon mit 13 Jahren (1822) begann Mendelssohn Psalmentexte zu vertonen.

Seine Meisterschaft erreichte er zwischen 1830 Uhr 1844 in einer Reihe von Fünf größeren Kompositionen, darunter der 95. Psalm.

Mendelssohn verwendet eine reiche Palette von Ausdrucksmitteln: häufiger Wechsel von Soli und Chor, Kanon, Fuge, zum Teil strenge Imitation im Chorsatz. Textlich stehen Beginn: „Laßt uns dem Herrn frohlocken“ und Abschluss mit der Mahnung: „Ich schwur in meinem Zorn, sie sollen nicht zur Ruhe kommen“, in starkem Kontrast zueinander. Diesen Gegensatz setzt Mendelssohn durch die Wahl der Tonarten und entsprechende Instrumente musikalisch meisterlich um.

 Hör mein bitten

Der Psalm entstand 1844 zuerst für Solosopran, Chor und Orgel und verwandte den Text einer Paraphrase des 55. Psalms „Hear my prayer“  von W. Bartolomew. Drei Jahre später wurde er neu instrumentiert. Die vier Teile dieser sehr textnehmen Komposition gehen jeweils nahtlos ineinander über. Im 1. Teil stellt Mendelssohn „Einsamkeit“ durch „pizzicato“ und „umherirren“ durch sich windende chromatische Tonfolgen dar. Wunderbar melodisch der Schlussteil, dessen Motivik von schwebenden Triolen ausgeht, passend zu dem Text: „O, könnt ich fliegen“.

 Paukenmesse

Die „Missa in tempore belli“ ist eine von Haydns sechs späten Messkompositionen. Der Herbst 1796 war in Österreich vom Krieg überschattet, auch Wien war von Kriegsangst erfüllt. So wählte Haydn für seine Messe den Titel „in tempre belli“. Einigen Kritikern war sein Werk nicht ernst genug, auch vermisste man die sakrale Würde. Ja, man unterlegte dem Kyrie spottender Weise einen Trinklied-Text. Haydn nahm wie folgt dazu Stellung: „Wie ich´s habe, so geb ich´s. Wenn ich aber an Gott denke, so ist mein herz soll Freude, dass mir die Noten wie von der Spule laufen. Und da mir Gott ein fröhliches Herz gegeben hat, so wird er mir verzeihen, wenn ich ihm fröhlich diene“. Dagegen wurde in einer ersten Rezension „das Muster, wie man im neueren Geschmack diese Art Kirchenmusik komponieren soll“ begeistert gerühmt.

Gleich im langsamen Einleitungsteil des Kyrie kommt man entsprechend der Liturgie zur Besinnung, aber effektvoll schaltet Haydn dann auf ein lebhaftes Wechselspiel von Chortutti und Solopassagen um. Im dreiteiligen Gloria schwenkt die Komposition nach beginnendem „Vivace“ in ein ruhiges Duo zwischen Solo-Cello und Solo-Bass mit Choreinwürfen bei „Oui tollis peccata mundi“ um und beende danach den Ordinariumsteil wieder in strahlendem C-Dur. Das Cedo hat mitunter Merkmale der Missa Brevis: die einzelnen Chorstimmen singen gleichzeitig verschiedenen Text. Nach kurzem C-Dur-Anfang wechselt er im folgenden Adagio nach c-moll, um der zentralen Aussage „et incarnatus est“ gebührend Raum zu geben. Den schwungvollen Schluss bildet schließlich die Fuge: „Et vitam venturi saeculi, Amen“.

Im ruhigen Tempo intoniert der Solo-Alt das Sanctus, der Chor führt es  weiter, wechselt aber bei „Pleni sunt coeli“ plötzlich in ein „Allegro con spirito“. Im Benedictus singen nach anfangs düsterem c-Moll die vier Gesangssolisten den Text noch einmal in aufhellendem C-Dur; das abschließende Chor-Osanna ist nicht mit dem Osanna des Sanctus – wie sonst üblich – identisch.

Die Paukenmesse erhielt ihren Namen von dem mehrtaktigen leisen Paukensolo im Agnus Dei. Zeitgenossen deuteten dieses Motiv des Komponisten als „Herzklopfen“, andere als „fernen Kanonendonner“, auch fanden manche sowohl Motivwahl, als auch die Instrumentierung, besonders die schmetternden Bläserfanfaren später beim

„Dona nobis pacem“ unpassend, ja anstößig. Haydns Musik bedarf keiner verbalen Verteidigung, sie spricht und klingt für sich.

Haydns Bitte um inneren und äußeren Frieden – mit Pauken und Trompeten – berührt uns auch heute noch.

                                                                                                                       Klemens Koerner