Pastoralverbund

Ein ökumenischer Ostergruß

ein Ostergruß zum Osterfest 2020

Sie prägen das Stadtbild der Castroper Altstadt, die St. Lambertus –

Kirche und die Lutherkirche. Mit ihren beiden Türmen so seit 130 Jahre.

Beide Kirchengemeinden haben es aber vermutlich noch nicht erlebt,

dass an Karfreitag und Ostern die Kirchgebäude leer bleiben.

Keine Gläubigen, die sich in der Kar- und Osterwoche auf den Weg machen,

um Gottesdienst zu feiern. Kontaktverbot – alle sollen zu Hause bleiben.

Für nicht wenige Menschen bedeutet dieses Kontaktverbot Leid, starke

Belastung und wir sehnen uns nach dem „Danach“, wir sehnen uns

nach dem Leben.

Genau das ist das Thema von Passion und Ostern – Leid und Leben.

Auch wenn kein Gottesdienst gefeiert wird – Ostern fällt nicht aus.

Als katholische und evangelische Gemeinden wollen wir Sie in diesem Jahr

mit dem Blick auf zwei Bildern in unseren Kirchen grüßen, die auch in

diese besondere Zeit sprechen und gleichzeitig einen Ausblick bieten.

 

 

Im alten romanischen Teil der

  St. Lambertus-Kirche befindet sich

  an der Nordseite eine große unter

  Denkmalschutz stehende Nische.

  Dem aufmerksamen Betrachter drängt

  sich die Frage auf, welche Bewandtnis

  es damit hat.

Als im hohen Mittelalter die bei Festen sehr beliebte Wallfahrt nach Jerusalem

nicht mehr möglich war, wurden mit päpstlicher Genehmigung in bestimmten

Kirchen Grablegen geschaffen, die man stellvertretend für die Grabeskirche auf

Golgotha aufsuchen konnte.

Da in unserer Grablege die ursprüngliche, figürliche Ausgestaltung nicht mehr

erhalten ist, haben wir im Grunde die gleiche Perspektive wie Maria von Magdala.

Das Grab ist leer.

Traurigkeit, wohl auch Angst befiel sie, ob dieses Geschehens.

Vielleicht ein gutes Bild dafür, welche innere Leere uns umfängt, wenn wir in

diesen Tagen auf Besuche im Familien- und Freundeskreis verzichten müssen,

und körperliche Nähe, sei auch nur im Händedruck, unbedingt zu unterlassen ist.

Wir werden womöglich nicht umhinkommen, in diesen Tagen die Erfahrungen

zu machen, wer oder

was uns wirklich wichtig ist, auf wen wir uns verlassen können und von wem

wir verlassen sind.

Liebgewordene Strukturen brechen weg und Phantasie ist gefragt, Neues

zu entdecken.

Es ist schon ein besonderes und eigentlich nicht zu wünschendes Ereignis,

so viele Ängste in uns wahrzunehmen, sei es um unsere Gesundheit,

den Arbeitsplatz, die Beziehungen, die Zukunft.

Ein Asthmatiker oder Allergiker wird inständig versuchen, nicht in der

Öffentlichkeit zu husten,

um bloß keine bitterbösen Blicke auf sich zu ziehen.

Nicht wenige Ältere fragen sich, was wird das für ein Osterfest sein, und erleben

wir das Nächste überhaupt noch?

Bei Maria von Magdala löst sich die Angst durch die Antwort des Herzes, einen

liebenden hoffnungsfroh machenden Glauben in sich zu verspüren.

In der Grablege der Lambertuskirche befindet sich heutzutage ein Stück

Steinkohle, welches Bergleute nach der letzten Schicht auf Schwerin in die

Kirche brachten.

Es ist ein sinnfälliges Zeichen dafür, dass im Abbruch Umbruch stattfindet, dass

aus dem was erst stirbt, Neues erweckt.

 

 

Wenn man die Lutherkirche durch

  das Hauptportal betritt, fällt der

  Blick auf den Altar aus Sandstein

  mit seinen Ornamenten. In der Mitte

  über dem Altartisch ein  Bild, das

  die Heimkehr des verlorenen Sohnes

  darstellt.

  Der Vater beugt sich liebevoll, mit

  geöffneten Armen zu seinem Sohn, der,

  gekennzeichnet von den Strapazen,  

  die er in der vergangenen Zeit durch-

  gemacht  hat, vor dem Vater kniet.

  Kein Osterbild, kein Bild des trium-

  phierenden Christus über den Tod

  und doch  soviel Ostern!

Dieses Bild sagt ganz viel über das Wesen Gottes aus, an den wir Christen glauben.

Wir wissen, dass Leiden zum Menschsein dazu gehört. Leid und Leiden sind

keine Strafe Gottes.

In der Passions- und Osterzeit denken wir daran, dass Gott sich in seinem Sohn

dem Leid gestellt hat. Er ist ein sympathischer (aus dem griechischen, wörtlich,

ein mitleidender) Gott. Einer, der den Menschen nachgeht, ihnen entgegengeht

und ihnen aufhilft, wenn sie am Boden liegen und nicht mehr selbst aufstehen

können.

Eben doch ein Osterbild, - weil das Leid, der Tod, nicht das letzte Wort haben.

Wir fallen nicht ins Bodenlose, sondern wir können nie tiefer fallen als in die

Hände Gottes (Sören Kiergegard).

Zurzeit leiden wir als Christen darunter, dass wir vieles von dem, was unseren

Glauben ausmacht, nicht so leben können, wie wir das bisher immer getan haben:

Gottesdienste miteinander feiern, Seelsorge im persönlichen Gespräch,

Begegnungen in den vielen Gruppen und Kreisen, gemeinsam auf dem Weg

sein, sich gegenseitig stützen usw.

Dunkle Zeiten, die uns auch orientierungslos machen. Aber wir vertrauen darauf,

dass die Dunkelheit nicht das letzte Wort hat.

Auch in und für diese Corona – Zeiten gilt der altchristliche Ruf:

„Der Herr ist auferstanden – er ist wahrhaftig auferstanden Halleluja“

Nach dem Dunkel kommt ein neuer Morgen.

  Pastor Winfried Grohsmann

 

 

 

 

 

Pfarrer J. Ditthardt