Hl. Kreuz

Goldabbau in Cajamarca

„Kein künstlicher See ist so nachhaltig und dauerhaft für alle Zeit wie die natürlichen Lagunen es sind. Wasser und Leben müssen das Erste sein.

Conga kommt nicht in Frage!“

Peru

 

Gold kann man nicht trinken

Peru ist ein Bergbauland, sagt die Regierung. Seit Jahren setzt sie auf den Export von Rohstoffen wie Gold und Kupfer. Doch die Folgen für Mensch und Natur sind katastrophal. Vor allem um das kostbarste Gut – Wasser – sind heftige Konflikte entbrannt. Das von Caritas international seit Jahren geförderte bergbaukritische Netzwerk RED MUQUI verhilft den Betroffenen zu ihrem Recht.

Hoch oben auf 4.000 Metern in den peruanischen Anden, fünf Stunden von der Stadt Cajamarca entfernt, steht ein Haus geduckt in der baumlosen Hochebene. Hier wohnt die Kleinbäuerin Máxima Acuña de Chaupe mit ihrer Familie. In der Nähe befinden sich mehrere Seen, wichtige Wasserreservoirs für die Region. Ein Idyll, könnte man meinen. Aber in dieser wilden Landschaft soll eine neue Gold- und Kupfermine eröffnet werden. „Conga“ ist ein Ableger der bereits bestehenden Mine Yanacocha, eine der größten Goldminen der Welt. Sie gehört mehrheitlich der amerikanischen Firma Newmont; die peruanische Buenaventura ist ihr wichtigster Teilhaber. Schon kurz nach Bekanntwerden der Pläne flammte in der lokalen Bevölkerung Widerstand auf. "Conga" würde eine Vielzahl von wichtigen Wasserquellen vernichten, die für Landwirte und Viehzüchter überlebensnotwendig sind. „Eine Mine im offenen Tagebau in diesem wichtigen Quellgebiet ist unverantwortlich“, empört sich Javier Jahncke. Er ist Direktor des Netzwerks RED MUQUI, dem 29 kirchliche und zivile Organisationen angehören und das sich im ganzen Land für die Rechte der Menschen in Bergbauregionen einsetzt. In enger Zusammenarbeit mit den Betroffenen analysiert das Netzwerk Konflikte um Wasser und Land, fordert Mitspracherechte für die Bevölkerung, pocht auf strengere Umweltkontrollen und bringt Gesetzesvorschläge für eine Reformierung des Bergbaus ein.

 David gegen Goliath Máxima Acuña de Chaupe, die Kleinbäuerin aus den peruanischen Anden, ist zur Symbolfigur des Widerstands gegen das „Conga"Projekt geworden. Die zierliche Frau weigert sich seit zwölf Jahren, ihre vier Hektar Land an die Bergbaufirma Yanacocha zu 

 verkaufen. Gegen alle Drohungen und trotz jahrelangen Rechtsstreits hält die 47-Jährige mit ihrer Familie die Stellung auf ihrem Stück Land – und führt einen Kampf wie David gegen Goliath. In der Auseinandersetzung stand ihr GRUFIDES, Mitgliedsorganisation des RED MUQUI, unterstützend zur Seite. Die Menschenrechtsanwältin Mirtha Vásquez, die für Grufides arbeitet, klärte die Bäuerin über ihre Rechte auf, begleitete sie zu Gerichtsverhandlungen und organisierte Personenschutz und Hilfe, als die Drangsalierungen ihr psychisch zusetzten. „Ohne die Unterstützung von Mirtha und Grufides hätte ich vielleicht schon aufgegeben“, sagt Máxima Acuña de Chaupe. 

 

Verschwendet und verschmutzt Das Problem mit den Goldminen ist, dass beim Förderprozess Unmengen an Wasser verbraucht und verschmutzt werden. Gold wird mit einem Zyanid-Wasser-Gemisch aus dem Gestein gelöst, dafür werden rund 250.000 Liter Wasser pro Stunde benötigt. Das mit Schwermetallen und Chemikalien verunreinigte Brauchwasser wird anschließend in Rückhaltebecken oder direkt in die Flüsse der Umgebung eingeleitet, kontaminierte feste Bestandteile auf Müllhalden gelagert. Bei starken Regenfällen wie im März und April dieses Jahres könnte der hochgradig giftige Müll in die Flüsse gelangen und die Trinkwasserzufuhr großer Städte für unbestimmte Zeit gefährden. Doch weder die Bergbauunternehmen noch die Regierung fühlen sich dafür verantwortlich, die Rückstände zu entsorgen. Schlimmer noch: Die Umwelt- und Sozialstandards sind in den vergangenen Jahren immer weiter gesenkt worden. Die Zustimmung der Landbevölkerung zu Bergbauprojekten wird mitunter gekauft; oft wissen die Bauern nicht, wie sie sich gegen die Unternehmensgiganten wehren können. Máxima Acuña de Chaupe, die in ihrer Muttersprache Quechua vom Wasser als „Mutter" spricht, wird weiter gegen die Interessen der Konzerne kämpfen. Bleibt zu hoffen, dass die Debatten, die das RED MUQUI auch mit Unterstützung von Caritas international in der Öffentlichkeit anstößt, den wichtigen Platz auf der politischen Agenda bekommen, den sie seit langem verdienen.