Pastoralverbund

Hermann Paschasius Rettler vor 50 Jahren zum Bischof geweiht

Festgottesdienst in St. Marien Merklinde

Der Sommer des weltgeschichtlich ereignis- und folgenreichen Jahres 1968 - das Symboljahr für gesellschaftspolitischen Aufbruch und Wertewandel - hielt für die Katholiken des Castrop-Rauxeler Stadtteils Merklinde zusätzlich noch eine bemerkenswerte lokalgeschichtliche Überraschung bereit: Einen Tag vor der Veröffentlichung seiner letzten und bekanntesten Enzyklika „Humanae vitae“ am 25. Juli 1968 ernannte Papst Paul VI. am 24. Juli den aus Merklinde stammenden Franziskanermissionar Hermann Paschasius Rettler zum ersten Bischof des neuen Bistums Bacabal im Nordosten Brasiliens.

Heute, ein halbes Jahrhundert nach dem 12. September 1968, dem Tag der Bischofsweihe Rettlers in der Marienkirche durch den Paderborner Erzbischof Lorenz Kardinal Jaeger, ist dieses Ereignis bei vielen Merklindern noch immer unvergessen. „Wir glauben, dass dieser Tag nicht ohne eine angemessene Würdigung verstreichen darf“, bringt Heinrich Kurtenbach die Vorbereitungen auf das Jubiläum im Ortsteil auf den Punkt. In einem Festhochamt in der Marienkirche am Sonntag, 23. September, 9.30 Uhr, unter der Leitung des Chefs der Franziskanermission in Dortmund, dem Rettler-Schüler Augustinus Diekmann, wollen die Merklinder Katholiken des größten Tages in ihrer 114-jährigen Gemeindegeschichte gedenken. Anschließend gibt es im Pfarrheim bei einem Frühstück noch eine Begegnung und aktuelle Informationen.

Die Bischofsweihe in Anwesenheit zahlreicher kirchlicher Würdenträger aus Deutschland und Lateinamerika im ansonsten nicht so sehr bedeutsamen Merklinde, war 1968, wie man heute sagen würde, ein „Riesenevent“. Die Schlichtheit und Bescheidenheit, mit der der neue Bischof bereits bei seiner Weihe auftrat, hat zahlreiche Gläubige tief beeindruckt. Der Bischofsstab war aus Holz, das bronzene Bischofskreuz ersetzte Rettler durch ein einfaches franziskanisches Tau.
Zwanzig Jahre später sollte er es dem Gemeindeleiter Tasibio de Conceicao, der von Schergen eines Großgrundbesitzers ermordet worden war, bei dessen Requiem in den offenen Sarg legen. Das war einer jener typischen symbolkräftigen Handlungen Rettlers, mit einer einzigen beeindruckenden Geste zu demonstrieren, wie er dachte und auf wessen Seite er stand.