Pastoralverbund

Graffiti-Aktion am Marcel-Callo-Haus

bis die Abrissbirne kommt

MCH

Bis die Abrissbirne kommt: Graffiti-Aktion am Marcel-Callo-Haus

Bye bye altes Marcel-Callo-Haus. Zur Nacht der Jugendkultur durften Graffiti-Fans den alten Gemäuern des Jugendzentrums (MCH) auf ihre ganz eigene charmante Art und Weise Tschüss sagen: Auf 50 Metern Hauswand-Fläche haben sich bis zu 100 Besucher mit ihren Ideen und der Spraydose verewigt. Die entstandenen Werke sind noch bis zum Frühjahr 2021 zu sehen – bis das Haus endgültig abgerissen wird.

Wer sich am Samstagabend dem Jugendzentrum näherte, dem musste anhand der vielen Farben schon klar sein, dass es hier bunt zugehen würde. Ganz nach dem Veranstaltungsmotto „Machen ist wie wollen – nur krasser“ tobten sich hier alle ab 14 Jahren aus, die sich mit dem Callo-Haus verbunden fühlten, es immer noch tun oder sich einfach davon überzeugen wollten, wie ein gesamtes Haus zur Leinwand wird. Es sprudelten die Ideen und zischten die Dosen, und am Ende des Abends zierten lauter kleine Kunstwerke die Hausfassade.

Dass die Aktion trotz Regen eine so große Anzahl an Besuchern aus allen Stadtteilen anlockte, gefiel auch Ralf Ehrnstraßer, Leiter des MCH. Er begriff das Projekt als eine Chance für die Jugendlichen, die oft unterschätzte Kunstform des Graffito einer breiteren Öffentlichkeit zu präsentieren. „Wer hat schon die Gelegenheit, ein ganzes Haus mit Graffitis neu zu gestalten, und das völlig legal?“ so der Pädagoge. Ein Graffito könne mehr sein als eine unerfreuliche Schmiererei in der Öffentlichkeit, wie Ehrnstraßer sagt. „Das Sprayen ist eine zeitgemäße Kunstform, die Anerkennung verlangt und schon so manche dunkle Ecke in Castrop-Rauxel aufgehübscht hat“, sagt er und erinnert an die Unterführung am Altstadtring. Mit dem Schriftzug „Armin“ gedachte man an der Callo-Haus-Fassade gleich an mehreren Stellen dem verstorbenen Kollegen aus dem Trafo, Armin Polfuß, der sich zu Lebzeiten sehr für die Etablierung und Aufrechterhaltung der Graffitti-Kultur in Castrop-Rauxel eingesetzt hat. Doch hat sich all die Mühe überhaupt gelohnt, wenn alle Kunstwerke im nächsten Jahr in Schutt und Asche zerfallen? Eindeutig ja, findet Ehrnstraßer. „Unsere Botschaft war: Komm her, genieß den Moment, dich kreativ auszuleben und schenk dem Gebäude ein letztes Bild, dass dich mit ihm verbindet.“

Mit Farbe und Mitspracherecht der Jugendlichen haben Ehrnstraßer und sein Team auch in der Vergangenheit schon Leben in die Bude gebracht. Innenwände des MCH erhielten einen neuen Anstrich, kreative Aktionen schmückten stets die Räume. „Ein Gebäude warm zu machen, ihm einen ganz eigenen Charme zu geben – das ist nicht immer einfach“, sagt der Pädagoge. Doch dieser Herausforderung möchte er sich mit seinem Team stellen, wenn es ins neue Gebäude geht. Dort gebe es ebenfalls viele Möglichkeiten, die Räumlichkeiten so zu gestalten, dass die Kinder und Jugendlichen sich wohlfühlen. „Wichtig ist, stets offen zu bleiben für Neues – so hat man hat es selbst in der Hand“, so Ehrnstraßer.